Ich liebe meine Jahreswörter, das heißt: mehrere Wörter, die zusammenwirken und mir Leitstern, Entlastung und Inspiration sind. Vielleicht findest du lieber ein Jahresmotto oder einen Satz? Beides funktioniert! Die Methode
ist dieselbe und das Ergebnis auch: Du gibst deinem Jahr bewusst Richtung.
Meine Wörter begleiten mich – auch im Herzen. Sie verändern meinen Blick auf die Welt und haben Einfluss darauf, welche Schritte ich setze und was ich lasse.
Ich weiß: Wenn sie mir das ganze Jahr über Richtschnur waren, wird sich mein Leben in meine Sinne verändern. Sie sind Teil einer Antwort auf meine Fragen an mich: Wie will ich leben? Wer möchte ich sein? Wo kann ich gestalten?
Wenn du stimmige Jahrwörter für dich suchst und findest und sie anwendest auf dein Tun, dann bist du Führungskraft in deinem Leben. Du übernimmst Verantwortung für dich und dein Leben. (Selbstführung)
Wenn du dein Jahresmotto wirklich anwendest auf dein Leben, findest du die Stellschrauben, die für dich den Unterschied machen. Positiv. Weil du auch anders handelst. Es geht gar nicht anders.
Anne Niesen – SEHHELDIN
Übrigens: In Deutschland gebrauchen die meisten eher „Jahresmotto“. Ich wechsele hier die Begriffe ab. Wie du es nennst, ist im Prinzip egal!
Warum ich ein Jahresmotto wichtig finde
Die letzten Jahre haben mir einiges zugemutet: Heimisch werden in den Niederlanden, in Nijmegen, in einer mir völlig unbekannten Kultur und Sprache. Immer wieder Veränderungen meiner Sicht und damit meiner gesamten Lebenswirklichkeit. Anfang 2020 ein Fall, bei dem ich mir meinen Ellbogen völlig zerschmettert habe und vier Operationen nötig sind. Und dann noch die Trennung von dem Menschen, der mich hierher geführt hat. Neue Lebenswelten und Umbrüche wohin das Auge reicht. Und dies sind nur die privaten.
Meine Jahreswörter sind für mich keine nette Spielerei, sondern ein wichtiges „Werkzeug“, um handlungsfähig zu bleiben, um nicht ohnmächtig zu treiben. Sie machen mir Mut und Hoffnung und geben mir einen Halt und etwas, auf das ich stolz bin.
Sie helfen mir in Phasen, in denen vieles außerhalb meiner Kontrolle liegt.
Das ist es, was ich in meiner Arbeit weitergebe: Selbstführung und Gestalten auch in Zeiten massiver Veränderungen – dort, wo es möglich ist. Damit es dann DEIN Leben bleibt und ist.

Wann Jahreswörter wirklich wirken
- Sie verbinden sich mit deinen zentralen, inneren Werten
- Sie werden geboren aus deinen Erkenntnissen deiner letzten Monate und deines letzten Jahres
- Dein Herz geht auf, wenn du sie dir vorliest. Du fühlst einen Sog: DAS will ich!
- Du nimmst sie ernst und richtest deine Entscheidungen danach aus.
Meine Jahreswörter 2022 sind Leichtigkeit und Verbundenheit. Ich fühle mich fühlbar leichter und verbundener, seitdem ich diese Worte und Werte als Richtschnur habe.
Das passiert nicht automatisch, nur weil ich diese zwei Wörter zu meinen Jahreswörtern erklärt habe! Es sind meine Entscheidungen im Alltag, die den Unterschied machen. Kleine und große Momente, in denen ich mich frage: Was würde Leichtigkeit jetzt bedeuten? Wo führt mich die Verbindung hin?
Dein Jahrwort enthält (d)eine Vision.
Dein gutes Jahrwort beflügelt dich, regt dich an, hilft dir, zu wachsen. Du sagst es dir leise und fühlst: Wenn ich davon mehr in mein Jahr einlade, dann wird es ein gutes Jahr. Nicht, weil alles toll sein wird, nein, hier geht es nicht um „Tschakka“ und „Alles wird gut“. Sondern: Weil es DEIN Jahr wird, du Einfluss nimmst, bewusst, in eine Richtung, die passt und stimmig ist. Im nächsten Jahr wird das mit Sicherheit ein anderes Motto und eine andere Grundrichtung sein!

Schritt für Schritt zu deinen Jahreswörtern
Ja, finden. Denn es ist ein Prozess. Ich bereite den Boden dafür, das in mir auftaucht, was wirklich passt. Jetzt, in diesem Jahr.
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sich deinen Wörtern zu nähern. Auch ich greife immer mal wieder in eine andere Ideenkiste. Eine Vorgehensweise für deinen Prozess stelle ich dir hier vor:
1. Lern aus deinem Vorjahr
- Ich starte mit einer bewussten Reflexion meines Vorjahres. (Ein Grund, warum ich schon im zweiten Jahr einen Jahresrückblick geschrieben habe.)
- Ich stelle mir Fragen: Was hat mich getragen und mich inspiriert? Was davon möchte ich mitnehmen ins neue Jahr? Was möchte ich im letzten Jahr lassen und nicht mitnehmen ins neue?
Diesen Prozess empfinde ich als ungeheuer befriedigend. Er macht Freude, gibt Klarheit und fühlt sich immer reich an. Egal, was war. Ehrlich und konstruktiv. Vieles taucht auf, was ich schon längst vergessen habe. Ich erinnere mich, dass es mir Freude gebracht hat und was ich daraus gelernt habe. Und es entsteht ein Gefühl in mir, langsam und sicher.
2. Geh mit den Fragen spazieren
(Dazu gabs mal an irgendeiner Elite-Universität in den USA ein Experiment. Das habe ich ausprobiert und für sehr wirkungsvoll befunden)
- Ich nehme mir vor dem Spazierengehen vor, dass es ein „Jahreswort-Entdeck-Spaziergang“ wird. (Impuls/Fokus)
- Dann gehe ich eine Runde spazieren. Der Impuls wirkt unterschwellig. Wichtig ist, nicht verkrampft darüber nachzudenken.
- Ich höre mir zu und fühle, was auftaucht und was bleibt.
- Ich spreche die Wörter, die auftauchen, in meine Aufnahme – App ein. (Wer will, kann sich das natürlich auch notieren)
- Zu Hause höre ich sie mir nochmal an. Wenn sie keine Freude auslösen, kommen sie wieder weg. Wenn irgendetwas in mir nicht sagt: JA, ich will! Dann kommen sie weg. Nur ein Ja! heißt: Du darfst bleiben.
Tipp: Nicht zu schnell aussortieren!
Die alte Skeptikerin wollte die Leichtigkeit zum Beispiel erst nicht. Mein Kopf fand das zunächst völlig albern. „Was für ein Geschwurbel“ oder „Oh nein, wer will das nicht?“ mit gefühltem abfälligen Grinsen. (Was da alles an alten Glaubenssätzen dahintersteckt, das wäre ein anderer Blogpost).
Dann habe ich meinem Bauch eine Chance gegeben – und der wusste ganz deutlich: Das ist es. Das passt. Hallo, Leichtigkeit.
Auch die Verbindung musste hartnäckig sein
Die Verbindung begleitet mich durch die SEHHELDIN-Werte ja schon seit drei Jahren. Die letzten zwei Jahre sorgten dafür, dass die Werte Mut und Zuversicht im stetigen Einsatz waren, die Verbindung aber ein Schattendasein fristete.
Mein Bauch sagte ganz deutlich: Mut und Zuversicht lebst du, jetzt braucht die Verbindung deinen Fokus. Denn ohne Verbindungen, da bin ich sicher, ist mein Leben nicht das Leben, das ich möchte. Also habe ich die Verbindung nochmal extra willkommen geheißen. Hallo, Verbindung.
Was ich auch berichten kann: Disziplin und Dranbleiben sind nur in Teilen „mein Ding“. Meine Leitwörter sind mir aber mühelos ein Leitstern. Und ja klar: Mal rutschen sie auch weg und dann hole ich sie mir wieder zurück.
Wichtig zu wissen
Lass dir Zeit – es ist ein Prozess
Dein Jahresmotto findet dich, wenn du ihm den Weg bereitest. Wenn du deinen Jahreswörter befehlen willst, dass sie genau jetzt, zwischen 11:30 Uhr und 12:15 Uhr auftauchen sollen, dann werden dir vermutlich die falschen Wörter hochgespült, die, die dein Gehirn gerade für relevant hält oder von denen du denkst, dass dies jetzt doch mal dran ist. Das hilft dir nicht, im Gegenteil – das wäre kontraproduktiv.
Das Timing ist egal
Übrigens: Es ist völlig egal, wann du das machst in deinem Jahr. Ob Januar, Mai oder September!
- Januar ist eine Art Konvention, die zu meinem inneren Rhythmus passt. Aber das muss für dich ja nicht passen. Oder du findest meinen Artikel zu einem anderen Zeitpunkt.
- Checke nach ein paar Monaten: Passt das überhaupt noch? Willst du nachjustieren? Das Leben kann sich verändern, du veränderst dich.
Es sind deine Worte, wenn sie JETZT passen
In 2020 und 2021 hätten die Worte Leichtigkeit und Verbindung mir Stress gemacht und absolut nicht gepasst. Sie wären geradezu schädlich gewesen. Damals brauchte ich Festigkeit, Mut und Zuversicht. Ich hatte erst einen Weg zu gehen bis zur Leichtigkeit. Es war wichtiger, Mut und Zuversicht zu üben.
Es gilt:
- Es ist gut, wenn du fühlst: Ja, das ist es, was jetzt wichtig ist.
- Du weißt erst, ob es dir etwas bringt, wenn du es ernsthaft ausprobiert hast.
Es geht um DEIN Leben und DEINE Jahreswörter. Keine Kopfgeburten, sondern etwas, was für dich gerade wirklich passt. Und wenn sie dann nicht mehr passen, dann schaust du aufs Neue, dann sind es eben 8-Monats-Wörter..

Jahreswörter im echten Leben: Auch wenns schwierig wird
Beispiel 1: Strategische Pläne oder Kaffeetrinken mit der Nachbarin
Gerade habe ich mir strategische Pläne überlegt, wie ich sinnvoll und machbar die SEHHELDIN und meine Coachingdienstleistungen auf den neuen Grundlagen wieder auf- und ausbauen kann. Ich habe mir Zeitpläne überlegt und mir vorgenommen mich daran zu halten. Gleichzeitig: Ich habe hier Nijmegen keinen echten Freundeskreis und bin oft wirklich alleine. Ich sitze gerade am Schreibtisch, da erreicht mich überraschend eine Kaffeeeinladung meiner netten Nachbarin.
Was bei mir anders ist als bei anderen durch meine hochgradige Kurzsichtigkeit: Eine soziale Begegnung gibt mir innerlichen Schwung, aber kostet mich genauso viel Energie wie arbeiten. Sehen ist Sehen. Das heißt: Zeiteinplanung ist Kaffeetrinken plus Pause danach.
Ohne meine Jahreswörter hätte ich mit Bedauern nein gesagt, so habe ich mich für die Leichtigkeit und die Verbindung entschieden. Und es absolut nicht bereut.
Beispiel 2: Aussenseiterin oder Mitmischen?
Mein Niederländisch ist wirklich nicht schlecht für eine, die erst mit 53 hierher gezogen ist. Ich habe mich sehr bemüht, die Kultur so gut wie möglich zu verstehen. Aber natürlich bin ich in Vielem anders, benutze nicht die gleichen guten Worte, schließe vielleicht nicht ganz an, weil ich nicht weiß, wie. Bisher hat mir das oft auf der Seele gelegen, ich habe mich eher zurückgehalten oder in die zweite Reihe gesetzt. Alte Glaubenssätze und damit die Perfektionstin haben den Ton angegeben und mir oft wie Mühlsteine um den Hals gehangen.
Ich wähle Leichtigkeit und Verbindung. Und spreche mit in Gruppen und Ehrenamt, ich spreche Menschen an, ich nehme auch mal die Führung, bin präsent. Und weiß: Wenn es passt, passt es. Mehr als Lernen kann ich nicht. Mehr Lachen, mehr Verbindungen, mehr Leichtigkeit sind das Ergebnis. Und damit einher kommen mehr Wirkung.
Beispiel 3: Der Konflikt „Tun“ oder „Lassen“
Es gibt eine Möglichkeit für einen Workshop von ehemaligen Kunden. Auch noch sehr gut bezahlt, Business-Honorare. Aber: intensive Präsenztage, die mich an meine körperlichen Grenzen bringen würden, ach was: Weit über meine Grenzen. Mein alter Autopilot sagt: „Mach das! Das ist eine Chance!“
Dann schaue ich auf meine Jahreswörter: Leichtigkeit. Verbindung.
Die Leichtigkeit sagt klar: Das kostet dich Leben, sehr viel Leben. Die Verbindung fragt: Mit wem verlierst du die Verbindung, wenn du das machst? Mit dir selbst? Mit allen anderen Kontakten, weil du keinerlei Kraft mehr hast? Mit deinem Leben und deiner Freude?
Ich sage ab.

Wie immer gilt:
- Es ist gut, wenn du fühlst: Dazu habe ich Lust. Das zieht mich an und macht Sinn für mich.
- Du weißt erst, ob es dir etwas bringt, wenn du es ernsthaft ausprobiert hast!
Du kannst dein Leben dich leben lassen oder ihm eine bewusste Richtung geben. Auch das ist eine Entscheidung, deine Entscheidung. Dein Jahresmotto oder deine Jahreswörter geben Richtung und Entscheidungshilfe. Gerade dann, wenn das Leben dir viele Veränderungen hineinspült. Dann ist das eine deiner Stellschrauben!
Dieser Blogartikel ist Ergebnis einer Frage in meinem SEHHELDIN-Letter an meine Leser*innen. Mehrere Abonentinnen haben sich einen Blogartikel zu diesem Thema gewünscht. Hier ist er!
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Ich habe den Blogartikel gestern zum ersten Mal gelesen und war begeistert – so anregend vom Inhalt her (mir fiel spontan ein Wort ein, das mein Jahresmotto werden könnte), aber auch so ansprechend von der Aufmachung und der Gliederung her, eine wundervolle Kombination aus verschiedenen Schriftgrößen, Normal- und Fettdruck, tollen Bildern, spannend vom ersten bis zum letzten Wort.
Hallo liebe Marion, das freut mich wirklich sehr! Es stecken wirklich so einige Stunden Arbeit in diesem Artikel. Die haben sich dann ja gelohnt. Ich bin gespannt, ob dein Wort bei dir bleibt! Herzlich, Anne
Darf ich das aus neurowissenschaftlicher Sicht kommentieren? Ich tu’s einfach:)
Worte (also auch Jahresworte) sind erstmal nichts anderes als Worte. Mit der Zeit verbinden sich Worte mit Gefühlen und Emotionen. Worte, die mit Gefühlen und Emotionen verbunden sind, sind stark verankert. In der Erinnerung und im Selbstbild.
Diesen Vorgang können wir bewusst nutzen. Und rechts-links-motorische Aktivität wie Gehen fördert den Verankerungsprozess. Das hilft der Gesundheit und dem Wohlbefinden. Aber auch der Kreativität.
Lieber Volker, klar, das ist sehr bereichernd. Ich liebe wissenschaftliche Argumente.Dadurch sind Erfahrungen noch übertragbarer für die eigene Lebenssituation. Gesundheiten, Wohlbefinden, Kreativität und Verankerung. Gute Kombination! Herzlich, Anne