Über Sehnsucht, Richtung und Klarheit in unsicheren Zeiten
Alte Gewissheiten schwinden. Der Boden unter den Füßen wackelt. Wo geht das alles hin? So viele Menschen haben gerade das Gefühl, auf sehr dünnem Eis zu treiben. Wenn dann noch persönliche Umbrüche dazukommen im Job, in der Gesundheit oder durch Verlust von Zugehörigkeit, wird dieses Eis noch dünner. Was bedeutet das für Coaching 2026?
Was ich verstärkt wahrnehme (auch in mir selbst):
Eine starke Sehnsucht nach:
- Halt und Gemeinschaft
- Menschlichkeit und Mensch-Sein
- so viel innere Basis und Klarheit wie möglich in der Unklarheit
- sich nicht mehr machtlos zu fühlen
- Zuversicht, das heisst dem Gefühl: Egal, was kommt, ich werde einen Weg finden.
Gleichzeitig nehme ich gesellschaftlich auch etwas wahr, was sich sehr belastend anfühlt: Eine Erwartung, die beste Version deiner selbst zu werden. (Was auch immer das bedeuten soll…)
Das macht atemlos und steht im Spannungsverhältnis zu denoben genannten Sehnsüchten und zu dem, was wirklich sinnvoll ist.
Was heißt das für uns professionelle Coaches?
„Umgebungsfaktoren“
Es gibt im Netz immer mehr „Heilsversprecher*innen“, die den einfachen Weg versprechen, die das Gefühl geben: Folge mir und es wird schnell ganz leicht. Oh, wie sehr verstehe ich die Sehnsucht nach diesem „es wird leicht leicht in nur fünf Wochen/Schritten“. Und wie unseriös und wenig ethisch finde ich diese Angebote. Denn: Schnell alles gut ist nicht möglich. Nie.
Gleichzeitig ist eine Realität, das Geld knapper ist bei vielen und sie selbst wenn sie wollten, kein Coaching-Paket bezahlen könnten, auch wenn es noch so sinnvoll ist. Oder sie haben Angst davor, in zukunftsunsicheren Zeiten Geld in die Hand zu nehmen.
Meine Antwort:
Wir bleiben bei unserer Haltung und zeigen, was Coaching wirklich leisten kann. Und wir nehmen gleichzeitig die Menschen in ihren Sehnsüchten und Realitäten voll und ganz ernst. Wenn es uns gelingt, auf die existentiellen Fragen gemeinsam eine Antwort zu finden, dann wächst das Vertrauen in unsere Arbeit und unsere ethischen Grundsätze.
Aber nun auf zu meinen fünf Coaching-Prognosen für 2026.

Meine 5 Coaching-Prognosen: Was 2026 wirklich zählt
1. „Menschen-Coaching“: Coaching ohne Schubladen und Label
In den letzten Jahren gab es den Coaching-Trend, Spezialisierungen immer kleiner zu unterteilen, zum Beispiel in Lifecoaching und Businesscoaching, als ob der Mensch und sein „Leben“ keine Rolle spielten im Business und umgekehrt. Im einen ging es um die großen Lebensfragen und im anderen um Effektivität, die eigene Rolle im System und irgendwie oft losgelöste Führungsqualitäten.
Das hat für mich noch nie Sinn gemacht und macht es immer weniger. Denn das Leben ist alles und der Mensch, der es lebt, ist ja auch immer als ganzer Mensch am Start.
Eines meiner Kernthemen: „Wie bleibe ich handlungsfähig, wenn nichts mehr vorhersagbar ist?“ ist sowohl ständige Aufgabe für alle Führungskräfte und gleichzeitig eine menschliche Grundfrage, zu der wir alle sowohl Fähigkeiten als auch eine innere Haltung aufbauen können. (Und als Führunskräfte sogar müssen. Denn wie kann ich ein Team führen, wenn ich selbst auf unsicherem Boden stehe?)
2. „Du bist ok, so wie du bist“: Sicherer Raum statt Optimierungserwartung
Wenn Menschen schwimmen und Zukunftsängste haben, brauchen sie zunächst das Gefühl von einem sicheren Raum, in dem sie wirklich gehört und gesehen werden, mit Allem.
Wenn alles gerade unsicher ist und der Boden wackelt, dann braucht es Bestärkung. Coaching muss ein Raum sein, in dem wir fühlen: Es ist hier völlig ok, es nicht zu wissen, Ängste zu haben oder mal keine Kraft für große Entwicklungssprünge.
Die Aufgabe von Coaches ist es, einen Raum zu kreiieren, in dem Coachees sofort fühlen: Da ist jemand, die begleitet mich ohne Urteil, völlig auf mich gerichtet. Sie gibt mir die Sicherheit, dass wir uns durch den Nebel hindurch bewegen in der Zuversicht: Auf der anderen Seite gibt es wieder festen Grund.
Das ist im Prinzip auch die Überschrift für meine folgende Prognose:
3. Transitioncoaching: Klarheit schaffen, wo nichts klar ist
Wir Menschen tun uns schwer mit Unsicherheit, sie macht Angst. Das „Nicht-Wissen“ macht Angst. Gleichzeitig geht es uns so viel besser, wenn wir wissen: Was in meiner Macht steht, das gestalte ich. Was nicht, da gehe ich mit um.
Gerade wir Coaches mit einem lösungsorientierten Ansatz, die sich auskennen mit den Themen Veränderungen und Übergänge (transitions), haben hier das Handwerkszeug zu.
Mittlerweile – durch eigene Lebenserfahrung – bin ich auch überzeugt:
In diesen wackligen Übergangszeiten braucht es Coaches, die selbst schon durch sehr viele solcher Umbrüche gegangen sind, bewusst. Die Handwerkszeug mit diesen tiefen Einsichten kombinieren, ohne sie den Kundinnen überzustülpen. (Was auch wieder professionell ist)
Es braucht gerade dann professionelle Coaches
- mit klarer Sprache und klarer Haltung, die den Mut haben, auch mal unbequeme Dinge anzusprechen und aus Schleifen zu holen.
- die immer das Wohl und die Ziele der Kundinnen im Auge haben, liebevoll und empathisch
- die den Prozess sicher im Auge behalten und nicht mit-mäandern
- die immer wieder neu mit den Kundinnen schärfen, worum es ihnen wirklich geht, was gerade wirklich ansteht und was gerade wirklich einen Unterschied macht
4. Coaching meets Community: Voneinander, miteinander statt vereinzelt
Meine Prognose: In 2026 wächst die Sehnsucht nach Formaten, in denen Menschen zusammenkommen, ob in Coaching-Gruppen, Workshops, Reflexionsrunden oder Community-Events rund um Veränderungsthemen.
Warum? Die Spaltung, das Gegeneinander, das Alleine-Kämpfen macht müde. Menschen haben genug davon, isoliert vor sich hin zu werkeln. Sie wollen sich mehr austauschen, voneinander lernen, andere Perspektiven hören. Zusammenkommen. Merken, dass andere vor ähnlichen Fragen stehen. Sich gegenseitig stärken.
Dies gibt es bisher häufiger in spirituellen Umgeben als mit einer Coachinghaltung, die den ganzen Menschen mit einbezieht und Ansätze verbindet. Etwas gemeinsam kann auch sinnvolle Ergänzung zu 1:1 Coachingsitzungen sein.
Coaching trifft Community. Ein starker Trend für 2026.
5. Mikro-Coaching: Greifbare Erleichterung, wenn Zeit oder Geld knapp sind
Viele Menschen stehen gerade unter Druck: finanziell, zeitlich, mental. Das ist Fakt, keine Entschuldigung. Und es bedeutet nicht, dass professionelle Begleitung dann keinen Sinn macht – im Gegenteil.
Mikro-Coaching hebt die Welt nicht aus den Angeln, aber es löst einen konkreten Knoten. Es zeigt den nächsten Schritt. Es gibt Klarheit in einem überschaubaren Rahmen.
Was das konkret bedeuten kann:
- Feedback und Sparring vor wichtigen Gesprächen oder Entscheidungen
- Klarheit schaffen in verfahrenen Situationen („Worum geht es hier wirklich?“)
- Stärkung, wenn’s gerade schwierig ist (ohne monatelange Bindung)
Meine Prognose: In 2026 werden mehr Menschen diese kürzeren, fokussierten Formate nutzen, nicht als Notlösung, sondern als sinnvolle, wirksame Form der Begleitung. Manchmal braucht es keinen Marathon, sondern einen Sprint an der richtigen Stelle.
Mein Fazit – für mich und damit für dich
Beim Schreiben dieser Prognosen habe ich gemerkt: Meine Kompetenzen passen gerade ziemlich gut zu dem, was in der Welt gebraucht wird. Nicht, weil ich mich angepasst habe, sondern weil die Welt genau die Fragen stellt, durch die ich selbst gegangen bin und für die ich in vielen Jahren Kompetenzen aufgebaut habe.
Das dünne Eis bleibt dünn. Aber niemand muss alleine darauf stehen.
Falls du Begleitung suchst – für ein Gespräch, ein Sparring oder einen längeren Weg: Schreib mir: halle@sehheldin.eu
Und wenn du magst: Abonniere meinen Newsletter für regelmäßige Gedanken zu Veränderung, Führung und Klarheit in unsicheren Zeiten. Ich freue mich auf dich!


Vielen Dank, liebe Anne, für deinen schönen Artikel.
Ich bin kein Coach, aber ich merke im Alltag oft stark, wie sehr wir uns alle nach einem Miteinander und Zusammen sehnen.
Wo alles in der Welt ein- und/oder umzustürzen scheint, können wir uns als Einzelne ganz schön hilflos und einsam fühlen. Da fehlt dann auch oft eine Unterstützung…
Ich glaube, daß du mit deinem Menschenbild eine große Bereicherung in jedem Coaching bist.
Hallo liebe Lydie, danke für deinen Kommentar und dein schönes Feedback! Und auch, dass du als im Prinzip mögliche Kundin meine Prognosen bestätigst. Oder so habe ich es verstanden? Bleibe mutig, liebe Lydie, Anne