Steilvorlage für mich im Artikel vom Fotografen Johannes Mairhofer zum Thema: Fotografie bei Augenkrankheiten. Er schreibt: „Für Business-Fotos und Profilbilder sind Sonnenbrillen meiner Meinung nach nicht geeignet. Da wäre meine Idee eher, die örtlichen Rahmenbedingungen so zu wählen, das die Sonnenbrille nicht nötig ist.“

Hinter diesem Satz wird erstmal Eines deutlich: Sonnenbrille auf eiem offiziellen Foto, das „gehört sich nicht“, das „tut man nicht“, das müssen wir vermeiden. So die allgemeine Überzeugung.

Wenn ich nicht die SEHHELDIN wäre, hätte ich mich ziemlich sicher ohne Nachzudenken den allgemeinen Gepflogenheiten angepasst und ein sonnenbrillenfreies Foto als Profilfoto genommen.

Bei der SEHHELDIN steht die Sonnenbrille jedoch für Haltung. Für Annehmen. Für Pragmatismus. Mit dem Bild will ich anregen, motivieren, inspirieren und auch Vorbild sein.

Lies selbst, wie alles zusammenhängt.

Zunächst die Fakten: Blendempfindlichkeit (Phototobie)

Wenn die Netzhaut nur noch wenig vor Licht schützt, stört jede direkte Lichtquelle. In meinem Fall ist Licht schnell als ein stechender Schmerz im Auge zu fühlen. Licht jeder Art blendet. So richtig. So sehr, dass ich mit Sonnenbrille und Hut kaum noch sehe, wohin ich laufe, wenn die Sonne von Vorne kommt. Da hilft nur noch Augen zukneifen und irgendwie weiter.

Jede dieser modernen offenen Glühbirnen, jedes Spotlight im Theater, jeder Spot, der ungefiltert von oben auf die Augen scheint, schmerzt und nimmt die Sicht.
Jede Lampe, die zu direkt scheint, verhindert, dass ich entspannt sehe, was ich sehr gerne sehen möchte: Meine Gesprächspartner*in, eine Treppe, ein Theaterstück.

Der Tag, an dem ich zur Licht-Sehheldin wurde

Lange habe ich mehr oder weniger still gelitten. Ich war eine Weltmeisterin im unauffälligen Stühlerücken: Wenn ich den Stuhl so ein klein wenig drehe, dann geht’s doch noch.
Wie sehr kann man sich selbst betrügen, oder? Gehen tut so Vieles. Doch die Frage ist: Ist es das Beste für mich?

Dann kam DER Tag, so eine Art Sehheldin-Durchbruch.

Ich sitze im Theater. Das Spotlight scheint mir gefühlt direkt in die Augen. Ich konzentriere mich mehr darauf, meine gemarterten Augen zu verdrängen als auf die wirklich besondere und eindrückliche Theateraufführung.

Plötzlich denke ich: Spinne ich eigentlich? Wem passe ich mich hier an? Was hält mich davon ab, das zu tun, was gut für MICH ist? Warum probiere ich nicht einfach mal meine Sonnenbrille aus?

Gesagt getan. Wow, was für ein Unterschied. Durch meine kontraststeigernden Gläser kann ich noch gut genug sehen und es fühlt sich wirklich völlig entspannt an. Endlich kann ich mich in das Stück fallen lassen und den Abend genießen.

Warum habe ich so lange gewartet? Warum war ich nicht schon vorher Sehheldin?

An diesem Abend hätte ich diese Fragen nicht beantworten können. Dafür war schon ein wenig Suche in mir nötig und ganz viel Ehrlichkeit gegenüber mir selbst.

Hier kommen sie, die Blockaden, die lange verhindert haben, das zu tun, was gut für mich ist:

  1. „Das macht man doch nicht“

Tief sitzt ein „Das macht man doch nicht“ irgendwo in mir. Mein Verstand findet diesen Satz schon immer abscheulich und doch, da sitzt er.

Tief in mir verankert sitzt eine Idee darüber, wann eine Sonnenbrille „angemessen“ ist und wo und wann nicht. Sonnenbrille-im-Theater gehört eindeutig auf die „nicht angemessen“ Liste damals.

SEHHELDIN-Frage:
Wer ist dieser „man“? Muss ich den noch kennen? Musst du den noch kennen?

Nein, wir können uns getrost von ihm verabschieden. Vielleicht gibt es ihn sowieso nicht. Vielleicht, ja vielleicht, lebt er sogar nur in unserem Kopf.

„Das macht man doch nicht“: Man vielleicht nicht, ich schon. WIR schon.

2. „Die denken dann, du bist eine arrogante Schnepfe, die auffallen will“
Da ist sie, die brave, angepasste Anne. Die nicht als erstes denkt: „Na, und wenn? Sollen sie doch.“

SEHHELDIN-Auflösung
Ich fragte mich: Wer ist die? Und was ist, wenn sie das denken? Was schadet es mir, wenn die unbekannte Frau, die zwei Reihen hinter mir sitzt, mich arrogant findet? Nichts. Absolut nichts.

Könnte es nicht auch sein, dass jemand statt dessen denkt: „Das ist ja cool, die setzt einfach ihre Sonnenbrille auf“?

Könnte es nicht sein, dass jemand denkt: „Sie hat wohl etwas mit den Augen und dann hilft die Sonnenbrille.“

Und schwupps, sind wir bei der dritten Angst angekommen. Denn um Ängste handelt es sich natürlich in allen genannten Fällen.

3. „Dann wissen alle, dass ich eine bin, die was mit den Augen hat.“
Mal kurz schlucken. Das ist eine heftige Erkenntnis. Ich begegne einer Urangst, die mir zuflüstert: Was ist, wenn Menschen dich dann weniger ernst nehmen? Wenn du für sie dann nicht mehr die wunderbare, professionelle Anne, sondern die Anne „mit den Augen“ bist?

Stopp. Neue Gedanken:
Was wäre, wenn ich einfach weiterhin die wunderbare und professionelle Anne bin? Die eben auch ziemlich schlechte Augen mit im Reisegepäck hat. Die, die noch etwas cooler ist als vorher, weil sie sich nicht mehr versteckt? Weil sie einfach hre Sonnenbrille aufsetzt, weil sie für sich selbst einsteht und tut, was gut für sie ist?

So weit gekommen, merke ich: Darunter sitzt noch eine Angst: Eine viel größere, die ich bis zum den Zeitpunkt nicht ernstnehme, schnell wegdränge: Die Angst, blind zu werden.

Wenn ich jetzt diese Sonnenbrille aufziehe im Theater, dann kann ich es noch nicht mal mehr vor mir verheimlichen, dass mit meinen Augen etwas nicht ganz im Normbereich liegt. Dass ich nicht weiß, wie sich meine Sehkraft entwickelt. Dass ich nur weiß: Irgendwann in meinem Leben kann es passieren, dass ich sehbehindert werde und dieses Theaterstück gar nicht mehr sehen kann.

Es wird mir schlagartig klar: Diese Angst, die da irgendwo tief in mir vergraben liegt, will gesehen werden. Ich darf sie nicht weiter verdrängen. Wenn ich sie ignoriere, steht sie mir im Weg. Verhindert, dass ich das tue, was wirklich gut für mich ist. Verhindert, dass ich meine Lösungen suche. Meinen ganz eigenen Weg gehe.

Herz, das aussieht wie aus dünnem Draht gezeichnet

Ich setze meine Sonnenbrille auf und habe einen wunderbaren Theaterabend. Seitdem ist es mir egal: Wenn ich weiß, dass mir meine Sonnenbrille gut tun wird, setze ich sie auf.

Es geht in meinem Artikel nicht um Lichtempfindlichkeit und Sonnenbrillen. Nein, sie sind der Aufhänger für Gedanken, die weit darüber hinausgehen und die du in meinem Sehheld*innen-Manifest wiederfindest.

Ja, ich trage Sonnenbrille auf meinem Profilfoto

Ich will damit Mut machen. Kante zeigen. Sagen: Man ist mir, ist uns egal. Wir haben Mut zur Sonnenbrille (die hier symbolisch steht natürlich). Wir haben den Mut, das zu tun, was gut für uns ist.
Wir sind cool, weil wir tun, was uns weiter bringt. Weil wir wissen: Die, die sich daran stören, passen nicht zu uns.

Wir sind vor allen Dingen unheimlich stark, weil wir uns trauen, unseren Ängsten zu begegnen. Wir haben den Mut, in uns all die Muster und Ideen aus dem Weg zu räumen, die uns hindern, weiter zu gehen. Die uns daran hindern, zu strahlen. Und die uns vor Allem daran hindern, zu LEBEN.

Welchen ersten Schritt setzt DU heute für dein starkes Leben mit deinen Augen?


Du willst diesen Weg nicht alleine gehen? Du brauchst eine, die dir über deine eigenen Stolpersteine behutsam hinweghilft? Die dir aufzeigt, wo du dich im Kreis drehst und dir hilft jenseits deiner Abers und Ängste zu fühlen, was du selbst für dich tun kannst? Lass uns zusammen arbeiten.

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