Wenn ich ehrlich bin, wusste ich schon vor vielen Jahren, dass mein herausfordernder Beruf als internationale Trainerin und Coach nicht wirklich zu meiner Augensituation passte. Stundenlang besprach ich mit Freund*innen, wie ich es anders angehen könnte. Ich bezahlte teure Jobcoachings. Heute weiß ich: Immer wieder kam ich bei vermeintlichen Lösungen heraus, die dann doch keine echten waren, weil die Basis nicht stimmte.

Für dich ist das jetzt anders. Was ich hier schreibe, klingt vielleicht banal, wirklich gelebt, ist es alles andere als banal! Aber lies selbst, was dir wirklich hilft für deine Berufsplanung mit deiner Krankheit. Das gilt genau so für dein Privatleben!

Die absolute Basis: Du triffst eine Entscheidung für DEIN Leben!

Es ist wichtig, dass du eine bewusste Entscheidung triffst für dein Leben mit deinen Einschränkungen, egal ob sie klein oder groß sind. Die bewusste Entscheidung geht in etwa so: „Ich gestalte ab jetzt mein Leben mit meiner Krankheit. Bewusst, und ehrlich. Dafür tue ich alles, was mich darin unterstützt.“

Wenn die Entscheidung eher so klingt: „Ich merke, ich komme an meine Grenzen. Ich muss meine Arbeit anders einteilen“ oder „30 Stunden pro Woche passt besser, ich suche mir eine Teilzeitarbeit“, dann fehlt eine echte Entscheidung. Dann reagierst du auf deine gesundheitliche Situation, du agierst nicht. Dann treibt dich ein „Müssen“ und deine Ängste. Merkst du den Unterschied?

Wenn du reagierst, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass deine Versuche entweder ins Nichts laufen oder du vermeintlich aus Pech wieder in einer ähnlichen Situation landest. Warum? Weil du vermutlich sehr wichtige Schritte übersprungen hast. Genau die, über die ich hier schreibe. Schon neugierig? Dann lies weiter.

Textzug Butter bei die Fische (auf Butterdose)

So übernimmst du Verantwortung für dein berufliches Leben mit deiner Krankheit


1) Deine Arbeit und Karriereplanung: Passt alles oder planst du, als ob nichts wäre?

Die SEHHELDIN-Variante:

Du startest mit einer ehrlichen Standortanalyse bezüglich deiner beruflichen Ist-Situation:

  • Wann und wie nimmt meine gesundheitliche Situation Einfluss? (Denke ich wirklich alles mit?)
  • Wo gehe ich über meine körperlichen Grenzen hinweg? (ohne Beschönigungen, ohne „ach, die anderen haben auch Stress“)
  • Welche Sorgen mache ich mir, wenn ich nicht schlafen kann?
  • Habe ich noch Kraft für mein Privatleben oder stecke ich alles in meinem Beruf? (oder sogar noch mehr als Alles).
  • Welche Sorgen mache ich mir bezüglich meiner gesundheitlichen Zukunft? Wie realistisch sind diese Sorgen?

Diese Standortanalyse sollte sehr detailliert sein. Anfahrtswege, einzelne Arbeitsschritte, Arbeitssituationen, die häufig vorkommen. Zukunftsprognosen, Sorgen. Alles.

Diese Analyse wird Auswirkungen haben auf deine Karriereplanung:

Neue Karriereschritte sind sehr häufig gekoppelt an höhere Anforderungen. Denkst du bei deiner Entscheidung deine gesundheitliche Situation wirklich mit? Gerade jetzt ist eine vorausschauende Einschätzung besonders wichtig, wenn du nicht in einem Burn-Out landen oder permanent unzufrieden sein willst.

Hier ehrlich zu sein zu dir selbst, wirklich ehrlich, ist ungeheuer schwer. Denn es werden vermutlich Tatsachen deutlich, die du lieber nicht wissen willst, weil du dann Konsequenzen ziehen musst. Dann wird unter Umständen auch ganz deutlich: Das, was du dir erträumst, auf was du vielleicht hingearbeitet hast, ist nicht mehr möglich. Das ist hart und kostet Mut.

Du bist hier, du liest meinen Artikel. Du hast den ersten Schritt innerlich schon gesetzt. Das ist mutig!

Sehheldin Symbol: Sonne aus kräftigem Dunkelrot

Sehheld*innen haben den Mut, ihren Wahrheiten ins Auge zu schauen und eine wirklich realistische Standortanalyse zu machen. Mit Allem, was zu ihnen gehört.

Zu einer Standortanalyse für deine weiteren Planungen gehören alle deine Talente, Stärken, Wünsche und Vorlieben genau so dazu wie das, was dir deine Krankheit als Rahmen setzt. Und genau dieser Teil wird häufig ausgespart.

Wenn Einschränkungen so eingreifend sind, dass deutlich ist, es geht nicht mehr, dann zwingt unser Leben uns zu einer Anpassung. Ganz viel Selbst-Verantwortung und Selbst-Liebe brauchst du besonders dann, wenn es mit viel Einsatz noch machbar ist. Meiner Erfahrung nach ist es für die am schwersten, die weit von einer offiziellen Behinderung entfernt sind und doch fühlbar an ihre Grenzen kommen.

Es lohnt sich!

Deine Belohnung: Durch deine Ehrlichkeit mit dir selbst, wirst du auch neue Möglichkeiten entdecken, an die du bisher vielleicht noch nie gedacht hast. Denn deine Leidenschaft, Begeisterungsfähigkeit und Wissbegierde sind ja geblieben!

Eine Standortanalyse alleine wird dich noch nicht in deine neue Zukunft führen. Auch eine schöne berufliche Vision wird vermutlich eine Vision bleiben. Die folgenden zwei Punkte gehören dazu, damit du wirklich dein Leben lebst, wie es zu dir passt – in jeder Hinsicht.

2. Lebensfragen, die gehört werden müssen

Wenn dein Körper in dein Leben eingreift, dann wird oft alles in Frage gestellt. Deine Überzeugungen, deine Lebensvisionen, deine Art, mit dem Leben umzugehen. Was dir wichtig ist, was nicht. Alles.

Lebensfragen also. Grundlegendes. Diese grundlegenden Fragen kannst du ignorieren, um sie herumlaufen, sie in die Wüste schicken: Das Blöde ist nur, dass sie da sind. Dass sie Ideen und Lösungen blockieren, dass sie dich in die falsche Richtung laufen lassen, wenn du ihnen keine Aufmerksamkeit schenkst. Dann planst du vielleicht ein tolles neues Leben für dein altes Ich und bist sehr enttäuscht, wenn du dort ankommst und merkst: Es ist ja immer noch nicht gut hier.

Das könnten deine Lebensfragen sein:

  1. Wie will ich im Leben stehen? Als welcher Mensch will ich mit dieser Herausforderung umgehen?
  2. Wer bin ich ohne Karriere und Beruf? (Ja, auch dann, wenn die durchaus noch möglich ist)
  3. Was ist mir wirklich wichtig im Leben?
  4. Was sind meine grundsätzlichen Werte? Kenne ich die überhaupt? Haben sie ich verändert?
  5. Welchen Einfluss haben meine Überzeugungen und vielleicht Glaubenssätze aus meinem alten Leben darauf, wie ich jetzt denke und plane? Sind sie hilfreich oder eher kontraproduktiv?
  6. Welche Einfluss haben diese Erkenntnisse auf meine weiteren Planung und Ideen?
  7. Was möchte ich neu für mich lernen und entwickeln, um mit beiden Beinen in meiner neuen Realität stehen zu können?
Sehheldin Symbol: Sonne aus kräftigem Dunkelrot

Sehheld*innen haben den Mut, sich diesen grundsätzlichen Lebensfragen zu stellen, weil sie wissen: Wenn sie nicht selbst eine Antwort darauf finden, dann werden sie zum Spielball ihres Lebens. Dann reagieren sie und agieren nicht. Dann sind sie Opfer ihrer Krankheit und nicht aktive Gestaltende.

Das hört sich anstrengend an und das kann es auch sein. Klar, es ist ein Prozess, der viel fordert. Aber wieviel Kraft und Energie fordert es, dem auszuweichen? Wie unglücklich bist du, wenn du ein Leben lebst, das nicht zu dir passt. Genau.

Diese zwei Schritte sind nicht wirkungsvoll ohne meinen dritten Punkt:

3. Deine Gefühle bekommen den Raum, den sie dringend brauchen

Wenn Krankheit in dein Leben eingreift, dann geht dies immer einher mit Verlusten. Kleineren, mittleren und ganz großen. Ich habe so einige Berufsberatungen und Jobcoachings erlebt, in denen meinen Gefühle überhaupt keinen Raum hatten. In denen Bedenken und Fragen weggewischt wurden. Das kann nicht funktionieren! Denn deine Gefühle werden deine Zukunft blockieren, egal, wie wunderbar deine Vision ist oder dein neuer Lebenslauf aussieht.

Worum trauerst du?

Jede Art von Verlusten ist mit Gefühlen verbunden. Immer. Mit Wut, Traurigkeit, Hilflosigkeit, Schamgefühlen. Vielleicht nennst du es nicht so, aber du trauerst. Zu Recht und ganz natürlich.

In unserer Welt sind wir es eher gewöhnt, Gefühle wegzuschieben und gleich nach einer Lösung zu suchen. Dies gilt fälschlicherweise als „positiv“. Tue dir das nicht an! Mitgefühl mit dir selbst macht dich stark. Selbstliebe macht dich stark.

Wenn du es nicht für dich selbst tust, dann helfen dir vielleicht diese zwei Argumente:

  1. Wenn du nicht wirklich Abschied nimmst von dem, was nicht mehr sein kann, dann bleibst du in deinem alten Leben hängen, automatisch.
  2. Wenn du wirklich Abschied nimmst, dann geht das einher mit Gefühlen. Die sind heilsam und öffnen dir neue Wege.
  3. Solange du Gefühle unterdrückst, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sie in Form von körperlichen Symptomen zurückkommen. (Schlaflosigkeit, Magenschmerzen, Unruhe etc.)

Live a great story 
Aufschrift auf einer Plakette auf einem Pfahl
Lebe eine großartige Geschichte: Deine!

Es ist deine Entscheidung!

Wir sind es, die zu antworten haben auf die Fragen, die uns das Leben stellt. Und diese Lebensfragen können wir nur beantworten, in dem wir unser Dasein selbst verantworten. Viktor E. Frankl
Zitat: Viktor E. Frankl

Mit mir gemeinsam „ran an die Fragen“!

All dies ist alleine schwer, fast unmöglich. Denn deine blinden Flecken und Ängste versperren deine Antworten – auch die schönen und motivierenden.

Wenn du für dich deine Entscheidung für dein Leben treffen willst, wenn du Sehnsucht nach einem starken, freudvollen Leben mit deiner Krankheit hast, dann lass uns zusammenarbeiten! Ich begleite dich mit viel Lebenserfahrung, Empathie, Humor und über 20 Jahren Erfahrung als Coach. Ich stelle dir genau die Fragen, die deine Freund*innen dir nicht stellen. Sei mutig und schreibe mir gleich eine Email (Kontakt) – wir finden heraus, wie wir zusammenarbeiten können.

(Artikel völlig überarbeitet am 13-7-2022)

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