Spoiler: Die Tipps gelten für jeden Arztbesuch. Noch mehr, wenn für dich viel davon abhängt.

So viele Jahre lang bin ich „einfach so“ zum Augenarzt. Ich machte mich fertig, nahm meine Tasche, ging zur S-Bahn in Hamburg und fuhr zum Arzt meines Vertrauens. Im Gepäck: Einen zitternden Magen, in dem sich alle Zukunftssorgen und Fragezeichen eingenistet hatten. Ich ließ die Voruntersuchungen über mich ergehen und nahm dann auf dem Stuhl Platz, wartete atemlos auf die Untersuchungsergebnisse und das „Verdikt“ meines Arztes.

Heute sage ich: Ich war eher Opfer und weit weg von selbst-bewusst handelnder Sehheldin und Patientin.

Ich, die normalerweise immer eher zu gut vorbereitet ist, ging dort ohne jegliche Vorbereitung hin. Innerlich eingefroren und voller Angst. Ich habe mich nie gefragt, was ich anders machen könnte oder was ich tun könnte, um diesen schweren Termin für mich so leicht wie möglich zu machen.

Ich habe mich wie ein Kind verhalten, das sein Schicksal vertrauensvoll in die Hände des Vaters legt und nicht wie eine Erwachsene, die Verantwortung übernimmt.

Der Wendepunkt: Ein langes Gespräch mit einer Bekannten, die eine schwere Krebserkrankung durchlebt hat und für die auch jeder Arztbesuch ein Schreckenstermin war und ist dem schlaflose Nächte vorausgehen.

Die zentrale Idee: Übernehme Verantwortung, wo es möglich ist.

Tipps für deinen Augenarztbesuch oder warum es dir hilft, Verantwortung zu übernehmen

  • Du fühlst dich weniger schwach, denn du bleibst selbst-bewusst Handelnde. Aktiv, nicht passiv. Das macht stark!
  • Du hast eine viel größere Chance, mit den Antworten nach Hause zu gehen, die dir helfen.
  • Du sorgst für dich und machst das, was nicht leicht ist, für dich so gut wie möglich.

Bist du bereit? Dann lies weiter: Hier kommen von mir erprobte Tipps für deine Augenarztbesuche.

Tipp 1: Atmen, atmen, atmen: Atemübungen gegen Stress und Angst

Wenn du wie ich zitternde Magenwände hast schon vor einem Augenarztbesuch und sicher währenddessen, dann hilft dir atmen.

Durch bewusste Atmung beruhigt sich dein Geist. Du signalisierst deinem System: Du darfst aufhören damit, flach zu atmen. Angst führt nämlich oft zur flachen Atmung und die verstärkt dann wieder deine Angst. Kein guter Kreislauf.

Hier findest du einige Atemübungen, die dir helfen können. Probiere es einfach aus.

Atmen passt nicht zu dir? Du kannst auch laut singen und im Wohnzimmer tanzen oder gegen einen Sandsack schlagen – Hauptsache, du hast ein Ventil. (Das ist nur schlechter in der Bahn und im Wartezimmer zu machen 😉

Tipp 2: Bereite drei Fragen vor

Du bist aufgeregt. Vielleicht hast du Glück und dein Augenarzt/deine Augenärztin nimmt sich Zeit. Vielleicht hast du nur einen getakteten Termin. Wenn du dann nicht vorbereitet bist, besteht die Gefahr, dass dir erst nach dem Termin einfällt, was du eigentlich hättest wissen wollen.

Überlege dir also in Ruhe vor dem Termin, was du wirklich verstehen möchtest.
Was du genau fragst, ist sehr abhängig davon, wie viel du schon weißt über deine Augenkrankheit und worüber du dir gerade Gedanken machst.

Beispielfragen:

  • Welche Untersuchungen bekomme ich und was wird durch sie deutlich?
  • Welche Prognose haben Sie für die Entwicklung meiner Augen?
  • Kann ich selbst etwas tun, um die Entwicklung positiv zu beeinflussen?
  • Raten Sie mir zu einer Brille oder Kontaktlinsen und warum?
  • Bei welchen Veränderungen muss ich sofort einen Augenarzt kontaktieren?
  • Wie schätzen Sie die Risikos einer Operation ein?
  • Gibt es noch etwas, was für mich wichtig wäre, zu verstehen? (Die Jokerfrage 😊)

Bei meiner Arm-Operation kannte ich mich an einer Stelle so wenig aus, dass ich nicht wusste, was ich fragen sollte. Ich habe den Chirurg daher gefragt: „Welche Fragen würden Sie jetzt an meiner Stelle stellen?“ (Diese Frage fand er übrigens klasse)

Die „Gewissensfrage“ ist auch ein wirkungsvoller Joker:
„Wenn dies Ihr Auge wäre, würden Sie die Operation durchführen lassen?“

Spezialfrage: Kennen Sie sich aus mit meiner Erkrankung?
Ich habe gelernt, nach Erfahrung zu fragen, weil sich nicht alle Augenärzt*innen mit meiner Augenkrankheit, hochgradiger Kurzsichtigkeit, optimal auskennen. Das kann Einschätzungsfehler zum Beispiel für Star-Operationen zur Folge hat. Frage also nach Erfahrungswerten, auch wenn dies etwas Mut erfordert.

„Haben Sie Erfahrung mit Star-Operationen bei einer Netzhaut wie der meinen?“

Tipp 3: Gemeinsam zum Arzttermin

Seit einigen Jahren gehe ich, wenn irgend möglich, nicht mehr alleine zum Untersuchungstermin.

Ich habe das jahrzehntelang nicht gemacht, weil dieser Angsttermin doch irgendwie in mir als „Routine“ abgespeichert war. Darum nahm ich mich nicht wichtig genug. „Ich kann doch niemanden fragen, mich an einem Werktag zu begleiten“, redete ich mir ein und versuchte es noch nicht einmal.

Fragen kannst du immer – für dich! Schlimmstenfalls hat die andere keine Zeit.

Noch wichtiger ist es jetzt für mich, nicht alleine zu gehen, weil jedes Mal sehr anstrengende und emotional schlauchende Untersuchungen anstehen in der Universätsaugenklinik. (Beispiel: Perimetertest)

  • Es beruhigt mich, wenn ich weiß, ich kann, wenn ich möchte, auf dem Weg mit jemandem reden oder auch gemeinsam schweigen. Zu wissen: Ich bin nicht alleine.
  • Ich lasse meine Begleitung meine Fragen sehen und sie bekommt den Auftrag, mich zu erinnern, falls ich in meiner Aufregung etwas vergesse.
  • Mit weitgetropften Augen ist es eindeutig einfacher, nicht alleine nach Hause gehen oder fahren zu müssen.
  • Wir können nach dem Gespräch vergleichen, was wir verstanden haben und als wichtige Punkte herausgefiltert.
  • Nach dem Termin geht es mir meist nicht gut: Ich bin physisch und psychisch erschöpft. Dann finde ich es schön, nicht alleine zu sein.

Tipp 4: Das Gespräch mit deinem Handy aufzeichnen (nach Absprache!)

  • Wichtig: Bevor du das tust, frage nach, ob du das Gespräch für private Zwecke aufnehmen darfst.
  • Ich erkläre, dass ich so aufgeregt bin, dass ich fürchte, dass ich nicht alles behalten kann. Dass ich außerdem oft erst im Nachhinein bemerke, dass ich etwas doch nicht richtig verstanden habe.
  • Dann lege ich mein Mobiltelefon gut sichtbar zwischen uns.

(Mit Dank an die Augenabteilung der Radboudklinik hier in Nimwegen (Niederlande), da steht der Tipp auf der Website)

Tipp 5: Zuhause ein fortlaufendes Arztprotokoll führen

Nach dem Termin schreibe ich mir die wichtigsten Punkte heraus in eine Art fortlaufendes Augenprotokoll.

Vorteile:
Ich bekomme einen Überblick über Veränderungen.
Alles steht an einem Ort.

Selbst-bewusst handeln – Sehheld*in sein!

Die SEHHELDIN ist keine Informationsbörse für Augenarztbesuche. Warum schenke ich dir trotzdem meine besten Tipps und Erfahrungen?

Weil dies Teil meiner SEHHELDIN-Überzeugung ist:

Sehheldin-Sein heißt: Verantwortung übernehmen für dein Leben. Sehheldin-Sein heißt, immer zu schauen: Was kann ich tun, damit ich mich stark fühle und selbst-bewusst?

Weil es bei der SEHHELDIN immer darum geht, dass du dich eben nicht als Lamm oder Opfer verhälst, sondern stark und selbst-bewusst, weil du dein Leben gestaltest.

Weil ich überzeugt bin: Erst wenn du wirklich Verantwortung für dein Leben übernimmst, dann überlegst du dir, was gut für dich ist. Dann gehst du neue Wege und probierst Dinge aus. Für dich. Für dein glückliches Leben.

Anne Niesen – SEHHELDIN

Hier nochmal meine besten Tipps für deinen Augenarztbesuch:

  1. Wenn du Angst hast oder gestresst bist: Atemübungen
  2. Drei Fragen vorbereiten
  3. Gemeinsam zum Arzttermin gehen
  4. Gespräch aufnehmen
  5. Fortlaufendes „Augenprotokoll“

Welchen Tipp willst du für dich ausprobieren? Hast du noch einen Tipp für die Community?

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